Knockin’ On Bathroom’s Door

22. Januar 2009

Das Infinite Monkey Theorem, eine launige Gedankenspielerei irgendwo zwischen Philosophie und Statistik, kommt, ganz kurz gesagt, zu dem Schluß, daß eine unbegrenzte Anzahl von Affen, welche wild an eben so vielen Schreibmaschinen agieren, in einem unbegrenzten Zeitraum durchaus in der Lage sein sollten, beispielsweise die kompletten Werke von Shakespeare niederzulegen.

Vielleicht täusche ich mich auch, wenn ich von Statistik und Philosophie spreche und man muß den Ursprung viel mehr in einem sehr inputoptimierten Ansatz des Literaturschaffens suchen. Oder einem sehr faulen Kritiker des gleichen. Schließlich scheinen ja ganze Sparten der Musikindustrie heutzutage auf diese Weise halbwegs erfolgreich agieren zu können.

Das Drehbuch meines Lebens wird auf jeden Fall von nicht mehr als fünf Affen geschrieben. Die während der meisten Zeit kreischend an ihrem Stuhl wackeln und sich mit Kot bewerfen, statt anständig in die Tasten zu hauen. Begründet sehe ich das in Ereignissen wie diesem:

Fällt man morgens um halb zehn aus dem Bett und hat es eilig, stehen die Chancen gut, daß ausgerechnet jetzt der WG-Mitbewohner im Bad steht und Nasenhaare zupft. Damit mir sowas nicht mehr passiert, habe ich vor ungefähr fünf Jahren meine letzte WG verlassen und kann mich seitdem ziemlich ungehindert durch die Räume bewegen. Auch zu den beklopptesten Zeiten ohne Rücksicht auf Lärmpegel, schließlich sind die meisten Mieter hier eh altersbedingt schwerhörig.

Oder beschweren sich nicht gerne.

Komisch nur, wenn sich die Badtür keinen Zentimeter bewegen will. Schließlich steht der tageszeitbedingt schlechtriechende Einzelmieter VOR der Tür. Und hat sie gestern ganz sicher nicht von innen abgeschlossen, um dann über das Schrägdach und durch das Küchenfens…andererseits straft ein Blick auf die achtlos in die Ecke gerollte Weinflasche diese Überlegungen durchaus Lügen. Entkräftet sich aber gleich wieder selbst, weil ich nicht mit gebrochenem Knochen vor dem Haus liege.

Ein erneutes Rütteln am Sesam öffnet diesen allerdings immer noch nicht.

Der Blick schweift nach unten und wenn Erkenntnis dämmern kann, bemüht sich die Sonne meines persönliches Verstehens dann doch endlich mal über den Horizont. Ganz beschämt wegen dieser Verspätung wird fix die Gleichung zur Diskussion gestellt, daß bei Unbedacht platzierter Bodenwischer mit voluminösem Wischerkopf aus Metall + Wandfüllender Handtuchständer im Steigleiterdesign auf der einen Seite von der Tür + Rippen-Heizkörper aus den Siebzigern auf der anderen Seite die Chancen gut auf = Nachstellung der beliebten “Lasst uns die Tür mit der Lanze verrammeln”-Szene aus Literatur und Kino ist.

Ich kann es übrigens nicht leiden, wenn ich Recht behalte.

Der eigentlich drängelnde Termin und das weiterhin völlig unsportliche Verhalten des Schließinstruments lassen nur noch drastische Maßnahmen zu. Einen abgerutschen Ziegel später komme ich zu dem Schluß, daß unser Dach in etwa so gut in Schuß wie die Abflußrohre, bei dessen Arteriosklerose-Demonstration mein Vermieter ja auch schon den guten Ratschlag hatte, in Zukunft doch einfach ein paar Gramm weniger durchzuscheißen. Soviel Chuzpe muß belohnt werden, dachte ich mir und warte auch heute noch mit meiner Kündigung, bis die Dinger mal explodieren und ich mir das (Kündigen) wenigstens noch mit einem “Siehste!” für mich verzuckern kann. Scheiße spielt zu dem Zeitpunkt jedoch in erster Linie als vielgeflüstertes Mantra eine Rolle. Ich habe zwischenzeitlich diese gute Idee, durch den Zentimeter, den sich die Tür aufdrücken lässt, den Alugriff des Mop einfach durchzusägen.

Die meisten Nachbarn sind arbeiten, wollen mir nicht öffnen (siehe oben), oder halten Eisensägen für etwas, daß einer Werkzeugkiste nie passieren sollte. Meine eigene Werkzeugkiste mit Eisensägen weilt zu diesem Zeitpunkt übrigens 450 km weiter östlich. Wir haben sie beim Umzug der besseren Hälfte zwar nicht wirklich gebraucht, aber ‘ich brauch das Ding zur Zeit eh kaum noch’, höre ich mich auf die Frage, wann ich die mal wieder mitnehmen will, noch antworten. Und bin damit mindestens so visionär wie Bill Gates und seine 640 kByte.

Also ab nach Mainz und fix so ein Teil besorgt. Wann habt ihr das letzte Mal probiert, in Deutschlands Innenstädten einen Eisenwaren-Laden zu finden? Es gibt Zeitungsläden, T-Shirt-Läden, Schuhläden, Fensterläden, Handy-Läden, Armenische Gemüseläden, Usbekische GemüselädenTürkischeGemüselädenTextillädenBlumenlädenNippesläden
Hardcorepornoläden(Oh! Den kannte ich ja noch gar nicht!)BuchlädenDrogerienApotheken und Haushaltswarenläden. Die schicken einen auf die Frage nach Eisensägen zum Schlüsseldienst, der wiederum auf die Haushaltswarenabteilung der Kaufhäuser verweist, von wo man dann wieder zum Haushaltswarenladen hin geschleust wird. Nach ungefähr zwei dieser traurigen Runde gebe ich das bißchen beknackte Hoffnung auf, daß sich einer dieser Auskunftsgeber doch zu meinem Vorteil irrt und es tatsächlich plötzlich Werkzeuge in diesen Geschäften gibt.

Um halb eins sitze ich wieder in Bischofsheim. Immer noch stinkend. Immer noch vor geschlossener Badezimmertür. Inzwischen verfluche ich auch die Sache mit dem Weizenbier gestern. Oder das ich mir den Kaffee immer mache, bevor ich ins Bad gehe. Eine kurze Inventur meines Rufs hier in der Gegend lässt die Möglichkeit, im nächsten halben Jahr als “Ih, da kommt der Büschescheißer!” adressiert zu werden, gar nicht mal so unattraktiv erscheinen. Aber bevor ich mich mit den Makaken von da oben im Text auf eine Stufe stelle, habe ich die rettende Idee des lokalen Gartenladens hier am Ort. Wo, wenn nicht da, sollte ich Glück bei meiner Suche nach der Säge haben? Einen abgehetzten Lauf später, weiß ich, daß dieser Laden am Mittwoch bereits am Mittag schließt.

Khaaaaaan!

Was bleibt ist der einzig halbwegs greifbare Baumarkt hier in der Nähe. So drei Kilometer an der Bundesstrasse entlang. Und offensichtlich in dem “There be Dragons!”-Teil der Karten sämtlicher Verkehrgesellschaften aus der Gegend hier hochgezogen. Die S-Bahn würde mich an anderer Stelle ausspeien, aber dann eher fünf als drei Kilometer entfernt, die Busse aus Mainz erreichen hier in Bischofsheim ihren muttergeliebten Zenit oder Nadir oder was weiß ich und drehen um und bei Taxi-Hoffmann lande ich in der Endlosschleife. Drei Kilometer latschen? Durch die Hitze? Und nachdem ich schon in Mainz einen Marathon gelaufen war? Eine Viertelstunde Spielerei mit dem mobilen Internet (The service you have requested appears to have timed-out) auf der Suche nach Alternativen, lassen mich dann doch mittlerweile mehr als nur ein wenig säuerlich Richtung Baumarkt und zu Fuß aufbrechen. Der Gewitterregen, der mich auf dem Rückweg überrascht und durchnässt, rundet diesen gelungenen Tag mehr als würdig ab.

Das Ganze jetzt weniger, weil ich heraus streichen will, daß man für dreißig Sekunden Arbeit durchaus fünf Stunden ans Knie binden kann, wenn man ich ist; sondern weil die Kollegen dauernd kichernd wissen wollten, warum ich denn nicht ins Büro kommen will (Geschlechtskrankheiten? Klumpfüsse?). ‘Diese bescheuerte Ausrede’ kann man ja wohl kaum gelten lassen.

In your face:

bathroom

Mein Leben ist Tatsache so.

Zwischendurch und not televised

23. März 2007

bringt es Dan Le Sac auf den Punkt. Alles wesentliche bei Tanith.

Wobei der “Repitive”-Gag bei “Säureschnauze” noch ein wenig gelungener daherkam.

iSync Update – War ja klar

14. März 2007

Die allepaarmonatlichen System-Updates von Mac OS X. Werden brav eingespielt, aber sind hier sonst kein weiteres Sezieren wert. Wenn jemand bei Apple offensichtlichen Gefallen an meinen “In-my-face-aber-mit-Anlauf”-Stories hat, dann bitte ich hiermit darum, mir wenigstens das Sixpack zu schicken, was ich gestern verheizt habe.

Oder wie darf ich mir sonst erklären, daß iSync monatelang nicht gescheit in Sachen unterstützter Modelle aufgebohrt wird? Um dann 2 Stunden nachdem ich 8 Euro für ein Plugin gelatzt habe, plötzlich meinen Mobilknochen per 10.4.9 systemseitig von Haus aus zu unterstützen?

“Ey! Was soll ‘n das werden hier?”

Damit Sie auch morgen noch kraftvoll Headbangen können

14. März 2007

…man ja nicht ständig Arcade Fire oder gutschlechte Königinnen hören kann und die Kaiser Chiefs sowieso bedenklich in Richtung Leedser Herzbuben driften…

The mighty Interweb gives you: Neues von den Tiefkühlaffen. Via.

(Wobei ich mir für’s nächste Album dann vielleicht doch mal ‘ne Überraschung wünsche. Und man den Fehler, von einer Single, auf das Album zu schließen ja sowieso nicht machen sollte.)

Und der ganze Eintrag sowieso bloß, weil man sich nicht sicher sein, wie lange sowas noch geht. Speaking of which, wenn es kein Headbangen sein soll, kann ich mich an diesem gerade sehr schlecht satthören. Auch wenn Eagle Seagull in meinen unbedarften Ohren irgendwie nach The Cure klingen. An denen ich mich sehr gut satthören konnte. Und Lincoln, NE, horray! Da hab ich anno ’93 wegen Reiseübelkeit hinter einen Baum brechen müssen. Schön, daß es der Stadt offensichtlich nicht geschadet hat, sie wirkt immer noch recht steril.

Kauft bei Bleep!

14. März 2007

Backups? Wir brauchen keine stinkenden Backups! ‘Was schon für Mundwasser und Piraten recht war, kann für die Pflege meiner Binärmusik nur billig sein’, dachte ich mir und stellte mir selber einen Sicherungsplan auf, der im wesentlichen aus einem Status bestand: Maniana. Ach, Über-Maniana sogar.

Doof nur, daß in so einem Fall die Funktionskurve der Laptopeigenen Drehscheiben doch mehr zu sagen haben und nachdem die irgendwann unter einen Stabilitätswert von “0″ gerutscht waren, konnte ich mir zwar noch fix ein Backup ziehen, aber was nutzt das schönste solche, wenn ich meine Multi-Partitionen-Versuche ausgerechnet in dem vorher gesicherten MP3-Biotop veranstalte? Welches dann folgerichtig ‘ne Menge mit Nevada gemeinsam hat. Notiz an mich selber: Nächstes mal vielleicht doch 2 unterschiedliche Gehäuse für die Festplatten kaufen. Oder ruhig in den Finder schauen, bevor man Operationen am offenen MBR vornimmt.

Nun war das Geschrei natürlich groß. Einmal, weil ich die Schuld nur mir selber in die Schuhe schieben konnte und mehrmals, weil meine aus diesem Grund äußerst devot formulierten Anfragen an die Wiederherstellung meiner Daten bei diversen Onlineshops meistens nur so beantwortet wurden. Klar, wenn ich mit einem Kassenzettel aus dem letzten Oktober in einen Plattenladen latsche, ernte ich dafür bestenfalls auch nur ein paar auf die Lichter. Insofern war ich überrascht, als mir der bleepsupport folgendes schrieb und den Rest vom Downloadfest locker auf die Plätze verwies:

bleep.png

Schließlich rede ich von Dateien, die ich irgendwann im letzten Jahr gekauft hatte. Und dann haben die den Nerv, mir sogar die 320 kbps-version der LPs zum erneuten Download anzubieten, die ich gar nicht gekaufthatteaberdasschreibenwirmalliebernichtsolaut. Da hatten sie sich einen Leserbrief wie diesen redlich verdient:

…so you guys hereby rock off all kinds of my personal leg garments. remembering how i stood as a little child, awe-gaping in front of santa, i consider you as a freakin’ planet of santas. with twelve moons. full of santas as well. and by santas i mean attractive young women with bunny ears and no skirts…mmmh…

where was i? oh, yeah…thanks. and i’ll keep persuading my friends to keep shopping at your place.

at point blank range if needed.

Dem ich hiermit Rechnung trage. Und nein, dieser Eintrag ist in der Tat nicht irgendwie gegengesponsort. Ich wollte nur mal schauen, ob das Internet explodiert, wenn man mal nichts über die Servicekultur eines Unternehmens zu meckern hat.

Im Westen nichts Neues

22. Februar 2007

Die Dumme-Schweine-Durchschnittsdichte,
von störend’ Karnevals-Geschichte,
war anno eher ziemlich klein,
zumindest hier in Bischofsheim.

Am Montag sah ich ein paar stehen,
die weder lustig oder schön,
mit knallbunten Konfettifressen,
(und schon um zehn am Flachmann essen),
in Raunheim standen an der Bahn -
man hofft, die hat sie umgefahren.

Als abends, nach des Tages Plage,
ich mich dann Richtung Heimat trage,
da waren wieder welche da,
die mit Helau und viel Trara!
den anderen, in der Bahn nach Bingen,
gehörig auf die Klöten gingen.

Zumindest denen, die nicht blau,
oder staffiert heraus als sau-
und endbeknacktes Menschenwesen,
das offensichtlich dagewesen,
wo radioaktive Strahlen,
den letzten Rest von Kleinhirn stahlen.

‘Nu ja’, so dachte ich bei mir,
‘da sind sie eher Mensch als Tier,
nur doof an der Lobotomie -
es stört nachhaltig mich, nicht sie.

Und würd’ jetzt einer hier verlangen,
daß auch ich mir umhäng’ die Schlangen,
die sie gemacht aus Krepppapier,
dazu ein abgestand’nes Bier,
zum Zwecke der Verbrüderung,
mir rüberreicht mit Überschwung,
würd nicht mal ich das Bier austrinken,
sondern rechtswärts ihm eine klinken,
sodann lautstarkes Manifest,
wie gut mein Arsch sich lecken lässt.
und überhaupt und sowieso,
ich und die anderen wären froh,
wenn sie an Raunheims Bahnendamm,
so warten, daß die Bahn als dann,
mit viel Möp Möp und Tut Tut Tut,
solang befährt, bis sie kaputt.’

(Also, die Jecken, nicht das Roß,
das stählern über’s Gleisbett schoß.)
Dies soll er sein, mein Kurzbericht,
aus Bischofsheim, wo sie nicht dicht.

Substantielle Einschätzung

22. Februar 2007

…meines bisherigen Schaffens beim Spreeblick, bzw. muß Max in der Tat recht abgefahren erzählen können:

Radio Gaga

21. Februar 2007

Eigentlich hat es für das virtuelle Flyerverteilen ja die Dissonanzstudien, aber es gibt halt doch Mitmenschen, bei denen man selber seine PI-getriebene Randgruppenstellung dafür nutzen möchte, sie mehr oder weniger unverschämt zu pushen.

Heute hat Pete das Pech.

Das ehemalige Mitglied (Gibt’s Euch eigentlich noch?) der atonalen Abfahrtverweigerungs-Combo Le Tortues Du Mars, war bis dato eigentlich eher für das Ausloten harmonisch-basslastigerer Gefilde in meinem Karteikasten abgelegt. Wenig Wunder also, daß ich ihn nach mal wieder durchzechter Harry-Nacht

harry.png

Symbolbild. Harddisks, gotta love’em.

nur noch mit “Hömma, Mmmmmmmmmmm mmmmmmmmmmmwrrrrmmmm mmmmmmmmmmm,…” addressierte. Was mal wieder beweist, daß man sich sechsunddreißig Bier später durchaus auf ein eher subjektives Humorverständnis einschießt und Saunderson-Basslines als adäquaten Vornamens-Ersatz ansieht. Außerdem hat er Schuld, daß ich irgendwann angefangen habe, mehr Elektro-Platten zu kaufen, als man in einem Leben hören kann und hat früher die besten Geburstagsparties ever zelebriert. Über die ich gerne noch etwas geschrieben hätte, wenn ich mich noch an irgendwas erinnern könnte. Mission also sowas von accomplished.

Mann mit Bart (Ich konnte es mir nicht verkneifen, auch die anderen Bilder auf dem Server anzuschauen) wird heute abend morgen auf seiner persönlichen Spiel-Wiese wohl weniger das machen, was DJ Triicle ausgemacht hat, sondern in die Rolle seines anderen AE, Dottore De La Hanche, die grenzdebile Tuba, schlüpfen. Da mein Noise-Verständnis wenig über Merzbow hinausgeht, hoffe ich auf ein paar neue Impulse und alte Bekannte heute abend morgen.

Zu Gast bei Feinden

19. Februar 2007

Ich weiß, Bahn-Bashing ist sowas von 1835, aber vielleicht tut sich ja endlich mal was, wenn ich das hier poste und mit Verweis darauf an mehdorn@bahn.de schicke. Oder es als gelungene Warnung dafür verstehen, wie man sein Beschwerdeschreiben nicht verfassen sollte, wenn man eine Antwort haben möchte.

Sogar ein “Fuck, no!” wäre ja langsam mal drin, Jungs.

Sehr geehrte Damen und Herren,

am vergangenen Freitag hatte ich geplant, eine Zugfahrt von Frankfurt/Main nach Calau zu unternehmen. Einmal, weil ich die volksmündliche Lustigkeit einer solchen Bahnfart auf die Probe stellen und zum anderen, weil ich meiner Großmutter beim Umzug helfen wollte.

Zumindest in Sachen Lustigkeit sehe ich allerdings einen gewissen Nachbesserungsbedarf.

Aber ich fange besser vorn an: Die geplante Reiseverbindung können sie ja dem beigelegten Ticket entnehmen. Besonderes Augenmerk bitte ich auf die relativ sportliche Umsteigezeit in Leipzig zu legen, da diese bei der folgenden Geschichte noch eine tragende Rolle spielt. Sportlich sicher auch weniger aufgrund der gar nicht mal so weit auseinander liegenden Gleiskörper, als vielmehr dem Spielraum für eventuelle Verspätungen.

Also stand ich pünktlich um 16:49 auf Gleis 4 des Frankfurter Fernbahnhofs. Interessiert studierte ich die Anzeige, nach welcher der IC in Richtung Passau 60 Minuten verspätet sein sollte. ‘Die armen Schweine’, kicherte ich noch in mich hinein, um dann in den komatösen Wachschlaf zu verfallen, dem der gemeine Bahnsteigwartende anheim fällt, wenn er größere Wartenzeiten in schlecht geheizten Hallen verbringen muss, um dabei sein Vitalsystem nicht völlig aus zu zehren. Dabei hörte ich sommerliche Musik und tagträumte von jungen Frauen und Bierflaschen. In veränderlichen Anteilen. Das eben genannter IC dabei ebenfalls Gleis 4 benutzen sollte, erwähne ich der Stringenz wegen besser noch einmal.

Gegen 17.00 fuhr ein dann ein ICE ein. Ein kurzer Blick auf die Bahnsteiganzeige annoncierte diesen immer noch für Richtung Passau. Also beschloss ich, trotz der einladend aus dem Wagen quellenden Wärme, lieber nicht einzusteigen. Schon weil Oma mit mir in Passau nicht so wirklich etwas anfangen konnte. Weitere Anhaltspunkte, die mich zögern ließen: Der Wagen, für den ich reserviert hatte (31) befand sich nicht im laut Wagenstandsanzeiger zugewiesenen Bereich und ich bilde mir ein, es stand 1502 an dem Zug. Und nicht 1655. Leider stand mir immer noch eine der Bierflaschen tragenden, jungen Frauen in der Sichtlinie und so richtig bemüht habe ich mich nach 1. (Passau) und 2. (Wagen) sowieso nicht mehr, den Zug zu identifizieren.

Um 17:04 verließ dieser Zug den Bahnhof. Die Bahnsteigsanzeige sprang auf die 1655 um, die als unverspätet angezeigt wurde. Aber trotzdem nicht kam. Ein sehr undeutlich sprechender Zeitgenosse aus Asien vertrieb mir die Zeit, als er mich als Dechiffrierungsexperte für seine vom offensichtlich parkinson-erkrankten Reisebüro-Agenten im überbesetzten Dritte-Klasse-Abteil einer Nepal-Hochbergbahn hingeschmierte Verbindungsübersicht einspannte. Während diese nach Entgleisung den K2 gerade wieder herunterrollt. Wo kriegen die Leute eigentlich solche Handschriften her? Nachdem er mich mit vielen Sakeversprechen und “Howard-Carter-san!“‘s verabschiedete, stellte ich fest, dass es mittlerweile fast 17:15 war. Und ich so langsam unruhig werden durfte, wenn ich den Umsteiger noch bekommen wollte.

Lustigerweise beschloss der Bahnsteigsanzeiger in diesem Augenblick ein drittes Mal innerhalb von 15 Minuten seinen Kopf zu ändern und mal wieder zu verkünden, dass es doch jetzt Zeit für den “60-Minuten-später”-Special nach Passau wäre.

‘Oha’, schoss es mir da durch den Kopf, ‘das finde ich jetzt aber nicht so komisch, wie eben noch.’ Als der Zug dann gegen 17:20 den Bahnhof endlich verließ und danach ein völlig anderer angezeigt wurde (weder Passau, was ja noch von einem Hauch Ironie gezeugt hätte, noch die 1655), wusste ich, dass die mühevoll zusammen geklickte Reservierung und Omas Lieblingsklavierträger am Arsch waren.

Schließlich würde mich der nächste Zug via Leipzig nach Calau erst gegen 6 Uhr früh dort ankommen lassen und wenn ich ab acht Omas Mühlsteinsammlung durch die Gegend rollern sollte, hätte ich vorher lieber noch ausgeschlafen. Fluchend und erneut buchend, nahm ich eine Passage über Berlin in Anspruch, die leider zeitlich und finanziell so attraktiv wie eine mittelalterliche Leprakranke war. Die schon drei Wochen verscharrt ist.

Daher möchte ich sie bitten, demnächst die Anzeigen auf dem Frankfurter Fernbahnhof doch dahingehend zu justieren, dass sie auch den dort stattfindenden Zugverkehr illustrieren. Oder sie durch einen der letzthin so schrecklich beliebt gewordenen TV-Astrologen ersetzen, damit ich nicht noch einmal den Fehler mache, mir die Wartezeit mit Musik zu vertreiben. Und nicht dem Versuch, die gerade bei Zugverkehr leider sehr schlecht verständlichen Durchsagen aural zu entschlüsseln. Oder ist es Absicht, dass diese von kettenrauchenden Werwölfen mit Lungenödemen gemacht werden?

Besonders freuen würde ich mich, wenn sie mir den üblichen 15-Euro-Erstattungsobulus bei dieser Erstattung mal nicht abziehen würden. Oma sammelt nämlich nicht nur Mühlsteine, sondern hat auch kein Internet und ich konnte meine Erstattung eines Onlinetickets ja leider nicht am Reisemarkt-Schalter und dem selben Tag vornehmen, wie mir der dort angestellte Mitarbeiter versicherte.

Schönen Tag noch!

Update mittags, man meint, hier wird mitgelesen.

Ihr Storno-Auftrag wurde bearbeitet und die entsprechenden Positionen Ihres Auftrags storniert. Wir haben Ihnen den Betrag von 26 EUR abzgl. der Stornogebühren gutgeschrieben.

Ar…mleuchter. Bringt also nichts, der Oma das Internet wegzuflunkern.

Aufreger der Woche

6. Februar 2007

Im Prinzip hätte (nee: hat, noch besser: wird) diese Diskussion ja gute Chancen gehabt, für Diskussion zu sorgen. Ich bin mir allerdings sicher, daß es in der nächsten Zeit noch genügend Gelegenheiten geben wird, sich den Mund fusselig zu reden. Ach ja, das ging schneller, als erwartet…

Aber dann bin ich gestern morgen wach geworden und wunderte mich noch, woher die Kopfschmerzen kamen. Schließlich hatte ich das Wochenende nur mit Entenfüttern, langen Parkspaziergängen und dem Polieren meiner Queue-Sammlung verbracht. Ein verschlafener Blick in den Spiegel verschaffte schnell Klarheit: In meiner Nase nistet eine dieser tellergroßen Amazonasspinnen und die achtbeinigen Racker müssen kurz vor’m Schlüpfen sein. Eine sehr vorsichtige Inspektion später – selbst kleine Bewegungen schmerzten so, als wenn man bei einem parkisonkranken Zahnarzt zur Behandlung ist, dessen kleinsten Bohrer zu allem Überfluß normalerweise Strassenbeläge aufreißt. Nur schlimmer! – stellte sich das vermeintliche Spinnennest dann doch als Pickel heraus. Wobei ich als leidgeprüfter Akne-Abonnent in meinen frühen Jahren ja durchaus einiges gewohnt war, sowohl von Umfang, als auch Standortwahl. Das die beliebten Hautverwerfungen jetzt allerdings auch in Planetengröße und Nase, innenliegend daherkommen, war selbst mir neu.

Nun wandele ich ein Glück nicht mehr auf Freiersfüßen und kann im Prinzip auch mal auf’s Waschen und Zähneputzen verzichten, ohne deswegen in tiefere Krisen mangels menschlichem Zuspruch zu taumeln. In’s Büro mußte ich allerdings trotzdem und auch wenn ich mir mit meinen sonst üblichen Antworten durchaus schon diesen Beinamen erarbeitet haben dürfte, rechnete sicher keiner der Kollegen damit, daß ich irgendwann dann auch tatsächlich wie Bozo, der rotnasige Clown aussehen würde. “Na, was wächst uns denn da? Noch ein Kopf? Ha ha!”, bestätigten meine dahingehenden Vermutungen dann auch gleich. Leider ist die allgemeingültige Erwiderung auf diese Grußformel ja immer noch launiges “Guten Morgen!”, statt dem grummeligen “Maul, Du Kasper…”, welches mir eigentlich von der Zunge rollen wollte. Zumindest wenn der Absender Zugriff auf die eigene Personalakte hat.

Die hektisch in der Nase verteilte Zahnpasta sorgte zwar für eine völlig neue Definition des Begriffs “Atemfrisch”, dafür roch selbst die Bouillabaisse in der Kantine nur nach Hustenbonbon. Ein weitere Nebenwirkung der Ricolarisierung des Riechwegs: Beim Naseputzen – Natürlich bin ich mit der nasalen Arteriosklerose auch noch schnupfenkrank. ‘Eine große Runde Joggen’ ist bei mir ja synonym mit ‘Die Code-Ausdrucke hinten von Serverraum zu holen, statt nur neben den Rechner zu greifen’ – Beim Naseputzen treten jedenfalls gutriechende Seifenbläschen seitwärts aus und führen zu mir nicht unbekannten Reaktionen, wenn mich irgendwelche Kinder sehen: “Ih, Mama, was macht ‘n der Mann da Ekliges?” Wobei die ich sonst nur Sonntagvormittag und als Ergebnis von Spielen wie “Von der Karte saufen, was mit ‘A’ anfängt” kenne. Hat mir ja auch keiner gesagt, daß damit nicht “Alles” gemeint war.

Jedenfalls sind Männer Memmen, aber ich bin für Empfehlungen in Sachen Zinksalben gerade sehr dankbar. Oder kennt jemand einen Experten für Punktsprengungen?

Ich würde nämlich gerne wieder ‘ne andere Mütze tragen.

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